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„Wir müssen zeigen, dass Wandel möglich ist"

Drei Fragen an Yvonne Zwick zu ihrem Buch „Nachhaltigkeit machen"

Yvonne Zwick ist Vorsitzende des BAUM e. V., dem größten und ältesten Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften in Deutschland, Beirätin und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Zuvor war sie stellvertretende Generalsekretärin des Rates für Nachhaltige Entwicklung und leitete das Büro Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK). Sie zählt zu den profiliertesten Stimmen der Nachhaltigkeitstransformation in Deutschland. Scholz & Friends Reputation kennt Yvonne Zwick seit vielen Jahren aus gemeinsamen Projekten, deshalb duzen wir uns im Gespräch. 

Sie hat jüngst das Buch „Nachhaltigkeit machen – 17 radikale Thesen für echten Wandel" veröffentlicht. Darin beleuchtet sie, wie Unternehmen, Politik und Gesellschaft den Sprung von wohlmeinender Symbolik zu wirksamer Veränderung schaffen – mit vielen Praxisbeispielen und klaren Handlungsempfehlungen. 

Du schreibst, Nachhaltigkeit muss ins Kerngeschäft und ins Berichtswesen. Die CSRD war angetreten, damit Ernst zu machen. Jetzt soll die Berichterstattung doch deutlich abgeschwächt werden. Was bedeutet die Situation konkret für Unternehmen?

Ehrlich gesagt: Das ist ein Bärendienst an all jenen, die ernsthaft und lange Nachhaltigkeit im Unternehmen aufgebaut haben. Viele Unternehmen haben ihre Prozesse, Strukturen und Datenflüsse an die kommenden Berichtspflichten angepasst. Wenn die Regulierung jetzt ausgebremst wird, erzeugt das Unsicherheit und Wettbewerbsnachteile – gerade für wertebasiert agierende Unternehmen und die, die frühzeitig Verantwortung übernommen haben. 

Berichterstattung ist kein Selbstzweck. Sie schafft Transparenz, Vergleichbarkeit und damit auch Vertrauen – bei Investor:innen, Mitarbeitenden und Kund:innen. Unternehmen, die Nachhaltigkeit im Kerngeschäft verankern und konsequent berichten, sind schlicht besser gerüstet: Sie erkennen Risiken früher, realisieren Chancen durch Neuaufstellung und werden resilienter. 

Du sagst, wir doktern an Symptomen herum, statt Ursachen anzugehen. Was müssen Unternehmen radikal anders machen?

Radikal heißt im Wortsinn: an die Wurzel gehen. Viele Nachhaltigkeitsbemühungen bleiben an der Oberfläche; man reduziert Abfall oder widmet sich lustlos Berichtsanforderungen, ohne die Systemlogik zu betrachten. Was wir brauchen, sind Unternehmen, die die Nachhaltigkeit ins Herz ihrer Wertschöpfung holen und erkennen, dass sich Wirkung und Wirtschaftlichkeit bedingen. 

Im Buch beschreibe ich, wie REWE Nachhaltigkeit als handfestes Geschäftsziel verankert: Der Anteil nachhaltig erwirtschafteter Erträge soll wachsen – nicht nur beim Umsatz, sondern auch in der Wirkung. Mit diesem ersten Sustainability-linked Bond zeigt REWE, wie sich Nachhaltigkeitsziele in die Finanzlogik integrieren lassen. Das Unternehmen verpflichtet sich darin zu messbaren Fortschritten, etwa beim Klimaschutz oder in der Lieferkette. Gelingt das nicht, wird die Finanzierung teurer. Diese Anleihe war mehr als dreifach überzeichnet. Das bedeutet: Die Nachfrage von Anleger:innen überstieg das Dreifache der angebotenen Menge.  

Das zeigt, wie groß der Appetit auf glaubwürdige, nachhaltige Investitionen ist. Das ist ein Beispiel für ein neues Marktdesign, das aus Wissen über Schadensbilanzen und Risikoanalyse Konsequenzen zieht. 

Du forderst konstruktive Narrative statt Alarmrhetorik. Wie gelingt Unternehmen diese Kommunikation nach innen und außen?

Typisch deutsch, würde ich sagen, nämlich unprätentiös und substanziell. Indem sie Haltung zeigen und nachhaltig performen, statt Hochglanzbotschaften zu senden. Menschen spüren, ob aufrichtig kommuniziert wird. Wenn Unternehmen transparent machen, wo sie stehen, was schon klappt und wo es noch hakt, entsteht Glaubwürdigkeit. 

Gute Nachhaltigkeitskommunikation heißt: Mut zur Lücke, Mut zur Klarheit und Einladung zum Diskurs. Mitarbeitende zum Beispiel wollen Teil der Lösung sein – und werden noch viel zu selten nach ihren Ideen und Beobachtungen gefragt. Kund:innen wollen sehen, dass sich das Unternehmen bemüht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Das schafft Partnerschaftlichkeit und genau die Energie, die den Wandel trägt. 

Deshalb plädiere ich im Buch für konstruktive Narrative: weg vom Alarmismus, hin zu einer Sprache der Möglichkeiten. Wir müssen zeigen, dass Wandel machbar ist – und dass er sogar Freude macht, wenn wir ihn gemeinsam gestalten.  

Das Buch „Nachhaltigkeit machen – 17 radikale Thesen für echten Wandel“, erschienen am 2. September 25 im Haufe Verlag, kann über den Buchhandel bezogen werden.

Foto: Hoffotografen

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