2025 06 18 SCHOLZ FRIENDS juliamerkel 2 online
Thomas Sommereisen & Joris-Johann Lenssen im Interview

„Wir müssen Nachhaltigkeit kettensägenfest machen“

Im Juli 2025 gab es nach 18 Jahren einen Wechsel in der Geschäftsleitung bei Scholz & Friends Reputation: Joris-Johann Lenssen und Thomas Sommereisen haben von den Gründer:innen Christiane Stöhr und Dr. Norbert Taubken übernommen. Ganz im Sinne einer 100-Tage-Bilanz haben wir mit beiden gesprochen, um von Ihnen zu erfahren, welches erste Resümee sie ziehen und was sie sich für Scholz & Friends Reputation vorgenommen haben.

Thomas und Joris, wie habt ihr die ersten Monate als Geschäftsleiter von Scholz & Friends Reputation erlebt?

Thomas: Die Zeit war intensiv, aber auch spannend. Wir haben auf diesen Schritt lange hingearbeitet und gemeinsam mit Christiane und Norbert die Weichen gestellt. Man darf nicht vergessen: Scholz & Friends Reputation gibt es seit fast 19 Jahren, und ich bin knapp die Hälfte dieser Zeit Teil des Teams. Es ist ein besonderes Gefühl, diese Erfolgsgeschichte nun in der ersten Reihe weiterzuschreiben. Mit Joris habe ich dabei einen Menschen an der Seite, den ich nicht nur fachlich enorm schätze, sondern auch menschlich sehr mag.

Joris: Das kann ich nur zurückgeben, Thomas. Mit großartigen Menschen zu arbeiten und diese einzigartige Kultur bei uns zu leben, motiviert mich am meisten. Als ich vor knapp drei Jahren zu Scholz & Friends Reputation gekommen bin, haben wir bereits geplant, gemeinsam mehr Verantwortung zu übernehmen. Wir bringen sehr unterschiedliche Perspektiven ein, die sich gegenseitig ergänzen und stärken. Mit Norbert und Christiane als Senior Advisors an unserer Seite haben wir die besten Voraussetzungen, die man sich in so einer neuen Rolle wünschen kann.

Thomas: Strategisch entwickeln wir unsere Beratung so weiter, dass wir Marktentwicklungen früh vorhersehen und vorausschauend Lösungen anbieten. Die gegenwärtigen Krisen verunsichern Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit. Das Jahr 2025 war und ist von einem extremen Widerspruch geprägt. Auf der einen Seite steht  umfassende Regulierung – Stichworte sind CSRD, EUDR, CSDDD, EmpCo, auf der anderen Seite die „Stop-the-Clock“-Initiative und politische „Kettensägen“-Rhetorik, die Nachhaltigkeitsaktivitäten pauschal in Frage stellen.   

Joris: Für unsere Kund:innen ist das eine toxische Mischung: Sie schwanken zwischen strikter Compliance-Pflicht und der Hoffnung auf Entlastung durch Deregulierung. Daher sehen wir uns nicht nur in der Rolle, die Vorschriften zu erklären, sondern als strategische Partner, die verschiedene Zukunftsszenarien durchspielen. Unsere Aufgabe: Wir müssen Nachhaltigkeit „kettensägenfest“ machen – also so effizient und wertstiftend, dass sie sich ökonomisch rechtfertigt, egal wie der politische Wind weht. 

Was habt ihr euch als neues Führungsduo vorgenommen? Was wollt ihr anders machen?

Thomas: Wir treten nicht an, um alles anders zu machen, sondern um eine Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und dabei die Stärken unserer Beratung noch gezielter zu nutzen. Im Sinne von Co-Leadership entwickeln wir zu zweit und auch gemeinsam mit unserem wunderbaren Team neue Ideen und Ansätze. Wir passen unser Beratungsangebot an neue Gegebenheiten an und entwickeln es konsequent weiter.

Joris: Wir setzen sehr auf die Stärken unseres Beratungsteams. Vor einigen Wochen hatten wir einen Strategietag und haben mit dem gesamten Team erarbeitet, wie wir uns im nächsten Jahr aufstellen wollen, welche Themen wichtig werden und wir unsere Kompetenzen weiterentwickeln. Alle im Team sind gefragt, Scholz & Friends Reputation fortlaufend mitzugestalten: Als Nachhaltigkeitsberatung, die exzellente Arbeit anbietet - und als Ort, an dem sich jede und jeder wohlfühlt. 

Ihr habt es angesprochen: Herausfordernde Zeiten. Wie ist euer Blick auf Nachhaltigkeit im nächsten Jahr? Was wird trotz der Krisen wichtig?

Joris: Wir müssen eine gute Balance zwischen Agieren und Reagieren halten. Aufgrund der volatilen regulatorischen Anforderungen besprechen wir immer unterschiedliche Optionen und wollen als verlässlicher Partner an der Seite der Nachhaltigkeitsabteilungen stehen. Oft bereiten wir auch die Argumentationslinien vor, warum es gerade jetzt wichtig wird, ein Thema strategisch voranzutreiben.

Thomas: Deswegen spielt das Thema „Beyond Compliance“ – also alles, was über die Regelbefolgung hinausgeht –auch eine verstärkte Rolle.  Viele Unternehmen stellen sich derzeit die Frage, wie sie die Stakeholder erreichen, die sich für einen maschinenlesbaren Datenteil im Lagebericht des Geschäftsberichts nicht interessieren. Hier brauchen Unternehmen neue Ideen für die Nachhaltigkeitspositionierung. Wir haben bereits Ansätze dafür entwickelt und in die Praxis umgesetzt.

Joris: Als Nachhaltigkeitsberatung unter dem Dach einer der führenden Kreativagenturen können wir gerade an der Schnittstelle zu Kommunikation und Marke das volle Potenzial von Scholz & Friends ausschöpfen. Das wird möglich, indem wir uns eng mit den anderen Gewerken der Agentur verzahnen.

Thomas:  Um das fachliche  Fundament für die Marke nutzbar zu machen, übersetzen wir die abstrakten ESG-Datenpunkte in eine Story, die emotional anspricht. Und das tun wir mit Substanz und der Präzision von Berater:innen. In Zeiten der „EmpCo“-Richtlinie und von Greenwashing-Angst ist Kreativität ohne Datenbasis ein Haftungsrisiko. Wir verbinden beides: Die rechtliche Sicherheit der Regulatorik mit der kommunikativen Kraft einer Lead-Agentur.   

Joris: Wie wir Kündtliche Intelligenz  sinnvoll einsetzen , gehört zu den dynamischen Themen auf unserer Agenda: Wir testen zum Beispiel aktuell KI-Assistenten, die dabei helfen, regulatorische Abgleiche und Wesentlichkeitsanalysen massiv zu beschleunigen. Hier profitieren wir deutlich von den Rahmenbedingungen unserer Agenturgruppe WPP. Auch die Frage, wie wir KI ethisch einsetzen, wird ein spannendes Thema.  Dabei verfolgen wir den Ansatz „Human-in-the-Loop“ – der Mensch trifft die finalen Entscheidungen, die KI unterstützt nur. 

Zum Abschluss: Worauf freut ihr euch besonders im nächsten Jahr?

Joris: Mein Schwerpunkt bleibt die Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen: Dabei geht es darum, wie relevant das fürs Geschäft ist, aber auch darum, wie wie sich unsere demokratische Gesellschaft zunehmend spaltet. Auch hier müssen sich Unternehmen positionieren! Über das von uns entwickelte Konzept der Dualen Engagementstrategie möchte ich dabei helfen, gesellschaftliches Engagement stärker strategisch auszurichten. 

Thomas: Mein Herzensthema ist Nachhaltigkeitskommunikation – und das wird uns im nächsten Jahr auch stark beschäftigen: Viele sind des Themas müde oder halten sich zurück. Wie schafft man es, mit neuen, spannenden Narrativen die Stille zu brechen und dabei die Anti-Greenwashing Regulierung zu berücksichtigen? Hier gibt es viel Raum für Kreativität und neue Wege.

Danke, ihr beiden. Wir wünschen euch viel Erfolg bei euren Vorhaben und Plänen.

 

 

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