Wir sind hier auf einer gemeinsamen Lernreise
Wenn Unternehmen heute gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, geht es längst nicht mehr um einzelne Spenden oder Aktionstage. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welchen Beitrag sie in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft leisten können und wie daraus Wirkung entsteht: für die Gesellschaft, für die Mitarbeitenden und für die eigene Unternehmensidentität.
Bei Lufthansa Technik wird Corporate Citizenship (CorpC) deshalb als strategisches Handlungsfeld verstanden. Inga Holtmann arbeitet im Bereich Corporate Citizenship bei Lufthansa Technik AG. Ihr CorpC-Office agiert dabei als Think Tank: Es bündelt Themen, entwickelt Kampagnen und Initiativen und übersetzt gesellschaftliche Verantwortung in konkrete Maßnahmen.
Von 2025 bis Mitte 2026 unterstützte Scholz & Friends Reputation Lufthansa Technik dabei, die CorpC-Strategie zu schärfen, Impulse für eine tragfähige Governance zu etablieren und die erste Engagementkampagne zur Demokratieförderung wirkungsorientiert aufzusetzen.
Doch wie wird aus strategischem Anspruch glaubwürdiges Engagement? Im Gespräch erklärt Inga Holtmann, warum Demokratieförderung für Lufthansa Technik relevant ist, wie gesellschaftliche und interne Wirkung zusammengedacht werden und wie Corporate Citizenship vom Konzept zur gelebten Unternehmenspraxis wird.
Der faire und offene Austausch von Meinungen ist eine zentrale Grundlage demokratischer Gesellschaften
Scholz & Friends Reputation: Die Förderung demokratischer Werte wird in der Wirtschaft oft noch als ein zu politisches Thema wahrgenommen, um sich dort zu engagieren. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mit einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft konfrontiert, die auch an den Werkstoren und Bürotüren nicht haltmacht. Warum ist das Thema Demokratieförderung für Lufthansa Technik gerade jetzt so wichtig und wie verankerst du dieses Thema strategisch im Unternehmen?
Inga Holtmann: Der faire und offene Austausch von Meinungen ist eine zentrale Grundlage demokratischer Gesellschaften und prägt auch das Miteinander bei Lufthansa Technik. Als Unternehmen stehen wir für eine offenen, inklusive und demokratische Gesellschaft, die von Respekt, Solidarität und Toleranz geprägt ist. Dieser offene Dialog ist uns wichtig.
Demokratie lebt aber auch von informierten Entscheidungen und einem reflektierten Umgang mit Informationen. Gerade in Zeiten von Social Media, Künstlicher Intelligenz und einer zunehmenden Verbreitung von Desinformation gewinnen diese Kompetenzen weiter an Bedeutung. Deshalb hat Lufthansa Technik sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen und die Mitarbeitenden darin zu unterstützen, sich informiert und reflektiert an Diskursen zu beteiligen, eine eigene Meinung zu bilden und sich sicher im digitalen und öffentlichen Raum zu bewegen.
Unsere strategische Ausrichtung zeigt sich in der Ausgestaltung der Kampagne: Zum einen fördern wir das Bildungsprojekt DemokratieTalente finanziell. Zusätzlich bieten wir den Mitarbeitenden von Lufthansa Technik Beteiligungs-, Austausch-, und Lernangebote. Uns ist es wichtig, dass unser Engagement auch bei unseren Mitarbeitenden ankommt. Das Bildungsprojekt wurde zum Beispiel in einer internen Abstimmung von den Mitarbeitenden am Standort Hamburg gewählt.
Des Weiteren bieten wir seit Beginn des Jahres Schulungen zum Thema Medienkompetenz über das Unternehmensnetzwerk "Business Council for Democracy" (BC4D) an. Untermauert wird das Engagement durch eine gut abgestimmte Kommunikationsstrategie, die sowohl interne als auch externe Maßnahmen beinhaltet. Der Fokus auf einen "Wirkungsdreiklang" ist unsere Art, das Thema strategisch anzugehen. Das heißt, neben der Wirkung in der Gesellschaft wollen wir auch eine Wirkung in der Belegschaft und in unserer Unternehmenskultur erreichen.
Gerade durch die unterschiedlichen Perspektiven entwickeln wir uns weiter.
Scholz & Friends Reputation: Bei gesellschaftlichem Engagement und insbesondere bei so vielschichtigen Themen wie der Demokratieförderung besteht oft die Gefahr sich in kleinteiligen Maßnahmen zu verlieren. Gemeinsam haben wir deshalb an einer wirkungsorientierten Engagementstrategie gearbeitet. Vor welchen Herausforderungen standest du dabei, um sicherzustellen, dass die Initiativen nicht nur gut gemeint sind, sondern einen messbaren, nachhaltigen gesellschaftlichen Impact erzielen: sowohl nach innen in die Belegschaft hinein als auch nach außen für die Zivilgesellschaft?
Inga Holtmann: Wir haben unsere Demokratieförderkampagne bewusst auf zwei Jahre ausgelegt und klare Ziele für unsere Maßnahmen definiert. Zudem setzen wir auf eine langfristige finanzielle Unterstützung eines Projekts, das wir über mehrere Jahre eng begleiten. Hierbei hilft es sehr, auf die Expertise der help alliance, der Hilfsorganisation der Lufthansa Group und ihrer Mitarbeitenden, zu bauen, die über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der gemeinnützigen Projektarbeit verfügt und diese in unsere Kampagne einbringt. Die help alliance übernimmt für uns die Wirkungsmessung anhand der IOOI-Logik und monitored den Einsatz der finanziellen Mittel, die Lufthansa Technik für das Projekt bereitgestellt hat. Damit stellen wir sicher, dass die Fördermittel für die vereinbarten Maßnahmen eingesetzt und die Projektziele erreicht werden.
Auch bei den internen Angeboten arbeiten wir mit erfahrenen Partnerorganisationen zusammen. Ein bereits genanntes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Business Council for Democracy, dessen vielfältigen Lern- und Austauschformate wir der Belegschaft kostenfrei zur Verfügung stellen. Über regelmäßige Evaluationen und gemeinsames Vor- und Nachbereiten der Formate sehen wir, wie die Maßnahmen angenommen werden und wie das Feedback der Teilnehmenden ist. Wir sind hier auf einer gemeinsamen Lernreise, auf der alle beteiligten Organisationen gemeinsam voneinander lernen. Gerade durch die unterschiedlichen Perspektiven entwickeln wir uns weiter.
Ziel unserer Aktivitäten ist es, Mitarbeitende für soziale Themen außerhalb des Werkzaunes zu sensibilisieren.
Scholz & Friends Reputation: Die Implementierung einer neuen Engagementstrategie in einem Großkonzern gleicht oft einem Kulturwandel: Sie erfordert, verschiedene Stakeholder:innen wie die Geschäftsführung oder die Arbeitnehmendenvertretung mitzunehmen. Wenn du auf den bisherigen Prozess unserer Zusammenarbeit zurückblickst: Was war dein wichtigstes Learning bei der Mobilisierung für das Thema Demokratieförderung und welchen Rat würdest du anderen Nachhaltigkeitsverantwortlichen geben, die vor einer ähnlichen Aufgabe stehen?
Inga Holtmann: Bei uns hat es ein bisschen gedauert, um ein gemeinsames Verständnis über das Thema Corporate Citizenship und seine Aufgabe im Konzern zu schaffen: Wie definiert sich Corporate Citizenship? Wo wollen wir Schwerpunkte setzen? Wie binden wir Mitarbeitende ein? Welchen Business Impact können wir für uns ableiten und welche Rolle spielen die HR- und Kommunikationsabteilung? Uns hat es besonders geholfen, Struktur und Klarheit in unser Engagement-Portfolio zu bringen. Die Duale Engagement-Strategie (DES) von Scholz & Friends Reputation bietet uns dabei eine gute Orientierung und schafft Akzeptanz in der Belegschaft für Maßnahmen, die außerhalb der großen Wirkungsbereiche (Bildung, Demokratieförderung und dem Einsatz für eine freie und sichere Welt) liegen.
Ziel unserer Aktivitäten ist es, Mitarbeitende für soziale Themen außerhalb des Werkzaunes zu sensibilisieren. Corporate Citizenship ist Teil unsere Unternehmenskultur und wirkt auf unsere Unternehmenskultur. Deswegen schauen wir, dass unsere Angebote sich gut in bestehende Kulturförderinitiativen des Unternehmens integrieren. Ein Beispiel dafür ist die Verzahnung mit unserer Respekt-Kampagne, die das Ziel hat, ein sicheres und wertschätzendes Miteinander im Betrieb zu stärken, was auch ein zentrales Ziel unserer Demokratieförderkampagne ist. Hier war und ist es sinnvoll, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und die Belegschaft gut abzuholen.
Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie Sie gesellschaftliches Engagement und Demokratieförderung in Ihrem Unternehmen wirkungsorientiert und strategisch aufsetzen können? Lassen Sie uns dazu gerne unverbindlich austauschen. Schreiben Sie uns über: reputation@s-f.com.