Warum Unternehmen beim VSME-Reporting auf ein „Plus“ setzen
Durch die europäische Omnibus-Regelung von 2025 fallen heute viel weniger Unternehmen unter die Nachhaltigkeitsberichtspflicht. Doch was machen eigentlich diejenigen, die nicht mehr berichtspflichtig sind? Unsere neue VSME-Studie zeigt: Sie berichten trotzdem. Und zwar oft deutlich umfassender, anspruchsvoller und strategischer, als es der reine Standard verlangt.
Als eine der etablierten Nachhaltigkeitsberatungen mit viel Erfahrung in der Berichterstattung hat uns interessiert: Wie haben Unternehmen dafür den freiwilligen Standard für kleine und mittlere Unternehmen #VSME eingesetzt, der von der EU dafür empfohlen wurde?
VSME – oder inzwischen kurz „Voluntary Standard“ (VS) – folgt in seiner Grundstruktur dem gleichen Aufbau wie die CSRD-Vorgaben und ist damit anschlussfähig ESRS. Doch reichen den Unternehmen die Berichtsvorgaben des VSME?
Bereits im Frühjahr 2026 konnten wir in einer Trendanalyse auf Basis freiwilliger Berichte erste Auffälligkeiten skizzieren – etwa eine spürbare „CSRD-Müdigkeit“ bei größeren Unternehmen und eine überraschende Vielfalt bei Layout und Sprache. Nun haben wir unser Sample noch einmal deutlich erweitert. Für unsere VSME-Studie 2024/25 haben wir insgesamt 53 ESG-Berichte aus der DACH-Region systematisch ausgewertet.
Besonders hat uns als interessiert, ob und wie die berichtenden Unternehmen die VSME-Vorgaben erweitern und in ein spezifisches „Plus“ investieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse unserer VSME-Studie im Überblick.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ein freiwilliger Bericht für viele Unternehmen weit mehr ist als eine bloße Datensammlung.
1. VSME ist nicht genug: Der Trend geht zum „Plus“-Bericht.
Ein zentrales Ergebnis zieht sich durch fast alle analysierten Reports: Die Datensätze des #VSME sind den meisten Unternehmen nicht genug. Die geforderten Datenpunkte der Basic und Comprehensive Module von VSME reichen den Akteuren nicht aus. Sie ergänzen ihre Berichte um spezifische Angaben, die Art der Datenerweiterung ist dabei sehr unterschiedlich.
2. Umweltthemen (E) dominieren das Reporting.
Im klassischen ESG-Kanon (Environment, Social, Governance) haben ökologische Aspekte weiterhin die absolute Priorität. Der Seitenumfang und die Detailtiefe, die Unternehmen den Umweltthemen widmen, ist in der Summe größer als die Bereiche Soziales und Governance zusammen.
3. Mehr als reine Daten: Ästhetik und Sprache als Reputationshebel.
Den betrachteten Unternehmen geht es beim freiwilligen Reporting keineswegs nur um nackte Zahlen. Mehr als die Hälfte der berichtenden Unternehmen investiert spürbar in die gestalterische und sprachliche Qualität. Ein professionelles, visuell ansprechendes Layout und eine klare, verständliche Sprache sind Standard. Der Anteil steigt mit Unternehmensgröße und wenn für das Geschäft auch die Endkunden relevant sind.
4. Wesentlichkeit und Ziele zeigen die eigene Strategie.
Die meisten Unternehmen ergänzen den Bericht freiwillig um eine Wesentlichkeitsanalyse und nutzt dafür die methodischen CSRD-Vorgaben des Double Materiality Assessments (DMA). Zudem werden überwiegend Ziele zu den berichteten Nachhaltigkeitsthemen aufgeführt. Dieses Vorgehen ermöglicht den berichtenden Unternehmen Fokussierung und eine strategische Positionierung über ihren Bericht.
Ihr Bericht fehlt noch in unserer Studie?
Haben Sie für Ihr Unternehmen einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht über das Jahr 2025 mit Bezug zum VSME veröffentlicht, der noch nicht Teil unseres Samples ist? Wir aktualisieren unsere Studiendaten im Laufe des Sommers.
Für die Berichtssaison 2026 planen wir eine Fortführung als VS-Studie 2026. So werden wir insbesondere Entwicklungen und Trends bei den Unternehmen nachvollziehen können, die aus der CSRD-Berichtspflicht herausgefallen sind.
Die VSME-Studie 2024/25 von Scholz & Friends Reputation wurde unter der Leitung von Dr. Norbert Taubken (Partner und Senior Advisor) mit tatkräftiger Unterstützung von ESG-Analysten Balthasar Nobis durchgeführt.
Die VSME-Studie zum Download
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