Nazanin Celebi von MB Energy
Nachhaltigkeitsberichterstattung ist kein Solo-Projekt. Wer sie ernsthaft angeht, braucht mehr als fachliche Expertise – nämlich die Fähigkeit, intern Brücken zu bauen: zwischen Strategie und Operations, zwischen Legal und Communications, zwischen Zahlen und Hebelwirkungen.
Nazanin Celebi kennt diese Schnittstellenarbeit aus dem Alltag. Als Team Lead Group Sustainability beim Energieversorger MB Energy aus Hamburg verantwortet sie die CSRD-Berichterstattung, das EcoVadis-Management sowie die Weiterentwicklung der unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsstrategie. Was sie dabei antreibt, ist die Verbindung aus regulatorischen Anforderungen und messbarer Wirkung.
Scholz & Friends Reputation begleitet MB Energy seit 2022. Zunächst bei der Wesentlichkeitsanalyse, inzwischen auch bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Seit dem Bericht 2024 orientiert sich das Energieunternehmen an den Anforderungen von CSRD und ESRS. Der nächste Schritt ist bereits in Vorbereitung: ein vollständiger Probebericht nach ESRS.
Im Gespräch erzählt Nazanin Celebi, wie sie Nachhaltigkeit im Unternehmen verankert und was es braucht, damit aus regulatorischem Pflichtprogramm echte strategische Stärke wird.
Scholz & Friends Reputation: Euer erster Nachhaltigkeitsbericht 2022 war ein freiwilliger Schritt. Was hat MB Energy damals dazu bewogen, auch ohne regulatorischen Zwang zu berichten, und was hat sich seitdem verändert?
Nazanin Celebi: Wir hatten damals bereits auf Holding-Ebene Nachhaltigkeitsberichte erstellt. Daher war es für uns der nächste logische Schritt, auch auf Ebene unserer Entity die Transparenz über unsere Nachhaltigkeitsleistungen zu erhöhen. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass das Interesse unserer Stakeholder an diesen Informationen deutlich steigt.
Besonders spannend ist für mich die Entwicklung von einem freiwilligen Bericht angelehnt an GRI-Vorgaben hin zu einem hybriden Ansatz aus GRI und ESRS und perspektivisch zu einer vollständigen Ausrichtung an den ESRS. Diese Entwicklung hin zu einheitlicher Struktur, mehr Vergleichbarkeit und letztlich auch Prüffähigkeit zeigt, wie stark das Thema an Relevanz gewonnen hat.
Scholz & Friends Reputation: Der Schritt vom freiwilligen Bericht zur verpflichtenden CSRD-Berichterstattung ist für Unternehmen groß. Wo lagen für MB Energy bisher die zentralen Herausforderungen auf diesem Weg?
Nazanin Celebi: Die größte Herausforderung liegt in unserer Struktur mit unterschiedlichen Business Segmenten und vielen Standorten. Das bringt eine hohe Komplexität in der Datenerhebung und Steuerung mit sich und erfordert eine enge Abstimmung über viele Schnittstellen hinweg.
Gleichzeitig haben wir die Vorbereitungszeit gut genutzt. Auch regulatorische Entwicklungen wie die Veränderungen durch das Omnibus-Paket im Jahr 2025 haben wir eher als Chance gesehen, um Unsicherheiten besser einzuordnen und unsere Prozesse gezielt weiterzuentwickeln.
Scholz & Friends Reputation: Wie geht MB Energy die Vorbereitung auf die verpflichtende CSRD-Berichterstattung über euer Geschäftsjahr 2027 konkret an? Und was würdest du anderen Unternehmen raten, die jetzt noch zwei Jahre Zeit haben und erst am Anfang dieses Prozesses stehen?
Nazanin Celebi: Mein wichtigster Rat ist, direkt anzufangen. Viele Themen benötigen mehr Zeit als ursprünglich gedacht. Zwischenprüfungen, zum Beispiel bei der Wesentlichkeitsanalyse, helfen dabei, früh Sicherheit zu gewinnen und späteren Aufwand zu reduzieren.
Bei MB Energy haben wir unsere bestehenden Lücken klar priorisiert und in Maßnahmen für dieses und nächstes Jahr überführt. Parallel lassen wir uns prozessbegleitend auditieren, um das Risiko für die Berichterstattung über das Geschäftsjahr 2027 frühzeitig zu minimieren.
Unsere Themenwochen „Berichterstattung"
Das Interview mit Nazanin Celebi entstand im Rahmen unserer Themenwochen „Berichterstattung", in denen wir den Schwerpunkt unserer LinkedIn-Kommunikation auf die Herausforderungen und Chancen rund um Berichtspflichten und freiwilliges Reporting gelegt haben.
Bei Scholz & Friends Reputation begleiten wir Unternehmen effizient durch den DMA-Prozess nach ESRS 2.0-Vorgaben.
Mit unserem Ansatz „VSME Plus" erweitern wir die technische freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung abhängig von den Interessen eines Unternehmens – für mehr ESG-Transparenz und eine glaubwürdige Positionierung.